Presse
30.08.2017, 09:33 Uhr | Dewezet - JENS RATHMANN
Die Schatten-Ministerin
CDU-Spitzenkandidat Bernd Althusmann holt Barbara Otte-Kinast in sein „Kompetenzteam“
HANNOVER/BEBER. Die Landwirtschaft – in Niedersachsen ist sie zweitwichtigster Wirtschaftsfaktor. Nicht umsonst war das Interesse gestern Nachmittag groß, als Bernd Althusmann, Spitzenkandidat der CDU in Niedersachsen, seinen mit Spannung erwarteten Kandidaten für das Amt des Landwirtschaftsministers vorstellte. Genauer: Seine Kandidatin für das Amt der Landwirtschaftsministerin, denn die Wahl fiel auf Barbara Otte-Kinast aus Beber.
Zwei Münderaner auf dem Podium: Bernd Althusmann sagt (l.) über Barbara Otte-Kinast: „Sie ist die richtige Frau am richtigen Ort – in einem zugegeben nicht einfachen Umfeld“. Sein Sprecher Gert Hahne moderiert die Pressekonferenz. Foto: Rathmann

Die 52-Jährige ist das erste Mitglied seines „Kompetenzteams“, das der Bewerber für den Posten des Ministerpräsidenten öffentlich präsentierte. Keinen Zweifel gab es bei der Vorstellung daran, dass es bei den Mitgliedern um mehr als nur Expertise und Beratung in Themenbereichen geht – Otte-Kinast ist die Landwirtschaftsministerin im Schattenkabinett. Kommt die CDU bei der Landtagswahl in 45 Tagen in die Regierungsverantwortung, ist die Landwirtin gesetzt.

Althusmann betonte bei der Vorstellung die Bedeutung der Landwirtschaft im Land: „250  000 Menschen finden in Niedersachsen in diesem Bereich Lohn und Brot. Wir sind Agrarstandort Nummer eins. Von daher brauchen wir in einer möglichen CDU-geführten Landesregierung jemanden, der diesen Bereich ehrlich, verantwortlich, kompetent, glaubwürdig, mit Fachwissen, aber auch menschlich leitet.“ Er habe sie bewusst ins Team geholt, weil sie die Situation im ländlichen Raum, in den Familien und in der Landwirtschaft von Grund auf aus eigener Anschauung kenne. „Ihr Erfahrungsschatz wird uns in unserem Agrarland sehr dabei helfen, die drängendsten Probleme anzugehen“, so Althusmann. Der Spitzenkandidat forderte eine höhere Wertschätzung für die Landwirtschaft ein. „Wir haben uns viele Jahre in ideologischen Diskussionen verstrickt, sie helfen keinem weiter.“ Er sei überzeugt, dass die 52-Jährige eine glaubwürdige Vertreterin dieses Politikbereiches sei.

Otte-Kinast präsentierte sich selbstbewusst als Landwirtin, als Landfrau, die weiß, wovon sie spricht und was sie will. Und das ist keineswegs ein komplett neuer Plan, bei dem Bestehendes über Bord gekippt wird, nur, weil es vom noch amtierenden Minister Christian Meyer initiiert wurde. Beispiel Düngeverordnung: „Daran wird nicht gerüttelt“, machte sie deutlich. Allerdings müsse Landwirten auch Zeit gegeben werden, Verordnungen umzusetzen. Entsprechendes gelte auch für den Tierschutzplan. Sie wirft dem Grünen Meyer vor, zu wenig bewegt zu haben. Außerdem habe er einen Keil zwischen die unterschiedlichen landwirtschaftlichen Richtungen getrieben. „In meinen Augen müssen wir alle unseren Markt finden. Es kann nicht von oben ideologisch diktiert werden – nicht für den Schweinemäster, nicht für den Bio-Landwirt, nicht für den Direktvermarkter, nicht für den Fischwirt.“